von Pascal Schmidt
Die Autoren erweitern das SAMR-Modell[1] und unterteilen im neuen ISAR-Modell KI-Lerneffekte im Lernprozess in Inversion, Substitution, Augmentation und Redefinition.
Inversion behindert Lernen, da sie kognitive Anstrengung reduziert. Wer stark auf KI setzt, verarbeitet Inhalte oberflächlich und erzielt schlechtere Ergebnisse. Die Delegation von Analyse- und Schreibaufgaben macht abhängig und schwächt das Urteilsvermögen.
Substitution: KI kann Lehrpersonen teilweise ersetzen. Tutorsysteme erreichen ähnliche Resultate wie Menschen, führen aber kaum zu grösseren Fortschritten in Wissen oder Denken.
Augmentation unterstützt durch adaptives, stets verfügbares Feedback und fördert messbare Lerngewinne.
Redefinition ermöglicht analog nicht umsetzbare Aufgaben, steigert Engagement und fördert tiefes, individuelles Lernen.
Das Hauptproblem: Tools wie ChatGPT können die für nachhaltiges Lernen nötige mentale Anstrengung untergraben. Chatbots liefern plausible Antworten, verhindern aber das produktive Ringen mit dem Stoff und täuschen Lernen vor.
Individuelle KI-Assistenten wirken in Zusammenarbeit mit Lehrpersonen hingegen effektiv. Fachwissen und kritisches Denken[2] [3]bleiben essenziell, um KI-Ergebnisse zu hinterfragen, zu prüfen und zu bewerten.
Der Artikel mahnt, die Inversions-Gefahr ernst zu nehmen. Bei Aufgaben sollte KI als „Sparringpartner"[4] genutzt werden (Augmentation), nicht als „Lösungsmaschine". Beispiele: In Mathematik gibt die KI bei Fehlern im Rechenweg nur spezifische Hinweise zur Selbstkorrektur; in Deutsch liefert sie Feedback zu Struktur und Stil, ohne den Text umzuschreiben.
Quellenangaben:
[1] Puentedura, R. R. (2006). SAMR-Modell: Integration digitaler Medien in der Lehre und im Unterricht. https://www.qua-lis.nrw.de/system/files/media/document/file/m4_samr_didakt-mehrwert-digitaler-medien_2021-01-18.pdf
[2] Fobizz: KI-Assistenten von Lehrpersonen – Praxisbeispiele & Inspiration. https://app.fobizz.com/fortbildungen/2933-ki-assistenten-von-lehrkraeften-praxisbeispiele-inspiration
[3] Das Bildungsziel «Kritisches Denken» ist im eidg. Rahmenlehrplan für Maturitätsschulen unter 1.2 Bildungsziele im 6. Abschnitt umschrieben. https://edudoc.ch/record/232281/files/Rahmenlehrplan-maturitatsschulen.pdf
[4]Schreier, A. (2025). Kritisches Denken in Zeiten Künstlicher Intelligenz. https://schule-verantworten.education/journal/index.php/sv/article/view/583
Diskussion
Diskutiert mit im Teamskanal 06 Lernen und Denken mit KI | DLH Community | Microsoft Teams
Abkürzungen vermeiden, Lernen fördern:
Wenn KI Texte, Rechenlösungen oder Präsentationen in Sekunden liefert, wie müssen wir Aufgaben und Prüfungen radikal umgestalten, damit das „produktive Ringen“ mit dem Stoff und ein echter Lernprozess wieder im Mittelpunkt stehen? Könnte ein gezielt programmierter KI-Assistent als sokratischer Tutor durch kluge Rückfragen und Kritik die Lernenden zur eigenen Lösung leiten? Gibt es vielleicht erste Erfahrungen?