Über das Projekt
Innovation zwischen den Lernorten
Traditionelle Berufe in der Autobranche und im Bauwesen entdecken durch Künstliche Intelligenz (KI) neue Möglichkeiten. Dieses Projekt zeigt, wie generative KI (GenKI) Schule und Lehrbetriebe näher zusammenbringen und als Plattform für gemeinsame Innovationen dienen kann. Ziel ist es, die Potenziale von GenKI für Kommunikation, Ausbildung, Arbeitsprozesse und Innovation auszuschöpfen und dabei Schule und Betrieb in einem kollaborativen Prozess enger zu verzahnen.
Beschreibung
In der Autobranche und im Bauwesen wird technologischer Fortschritt grossgeschrieben, doch in der beruflichen Grundbildung dominieren oft noch traditionelle Abläufe. Während KI in vielen Betrieben bereits zum Einsatz kommt, fehlt es in der Lehre an strukturierten Konzepten, um ihr Potenzial gezielt für Kommunikation, Produktivität, Ausbildung und Innovation zu nutzen. Gleichzeitig sind viele Betriebe unsicher, wo und wie KI sinnvoll integriert werden kann. Lernende sammeln zwar erste Erfahrungen, doch ohne eine gezielte Reflexion im Unterricht oder eine strategische Einbindung in ihren Lehrbetrieb. Dieses Projekt vernetzt Schule und Betrieb, um praxisnahe KI-Anwendungen zu identifizieren, zu testen und gemeinsam weiterzuentwickeln. Durch den direkten Austausch zwischen Lernenden, Lehrpersonen und Betrieben entstehen neue Einsatzmöglichkeiten. Digitale Kollaborationstools erleichtern die Dokumentation und Reflexion, sodass die Schule zu einem Innovationsraum wird, in dem Lernende aktiv an der Zukunft ihres Berufs mitwirken.
Das Projekt verbindet traditionelle gewerbliche Berufe mit innovativen Technologien und schafft eine direkte Schnittstelle zwischen Schule und Lehrbetrieb, um den praktischen Einsatz von KI systematisch zu begleiten. Es geht über theoretische Schulungen hinaus, indem KI-Anwendungen konkret in Betrieben getestet und gemeinsam reflektiert werden. Neu an diesem Ansatz ist:
- Praxisnahe Integration von KI: Lernende erproben KI nicht isoliert im Unterricht, sondern direkt in ihren Lehrbetrieben. So entsteht eine enge Verzahnung zwischen betrieblicher Realität und schulischer Ausbildung.
- Partizipative Innovationskultur: Lernende bringen eigene Ideen ein, bewerten bestehende KI-Anwendungen und identifizieren neue Einsatzgebiete in ihren Betrieben.
- Dynamischer Wissenstransfer zwischen Schule und Betrieb: Erfahrungen aus den Lehrbetrieben fliessen direkt in den Unterricht ein, wo sie reflektiert und weiterentwickelt werden.
- Einsatz kollaborativer digitaler Tools: Die Nutzung von Microsoft Teams Whiteboard, Fobizz-Pinnwand sowie Padlet und Trello (für Lernende über 18 Jahre) ermöglicht eine niederschwellige Dokumentation der Ergebnisse über Klassen hinweg. So können Erkenntnisse strukturiert festgehalten und weitergegeben werden.
- Aktive Einbindung der Lehrbetriebe: Interessierte Betriebe werden gezielt angeschrieben, um ihre Sichtweise auf den KI-Einsatz zu erfassen. Durch Umfragen und gemeinsame Diskussionen in Online-Meetings erhalten die Lernenden wertvolle Impulse aus der Praxis.
Das Projekt ist branchenübergreifend übertragbar und zeigt am Beispiel der Berufe Maurer:in EFZ und Automobilberufe, wie KI traditionelle Gewerbe mit zukunftsweisender Technologie verbindet. Der enge Austausch zwischen Lernenden, Lehrpersonen und Betrieben macht KI nicht nur verständlich, sondern anwendbar – und schafft damit eine nachhaltige Grundlage für Innovation in der Berufsbildung.
Didaktisch-methodisches Konzept
Das Projekt setzt auf ein Blended Learning-Konzept, das Präsenzunterricht und Arbeitszeit in den Lehrbetrieben mit digitalen Kollaborationsräumen kombiniert. Lernende, Lehrpersonen und Ausbildungsverantwortliche entwickeln gemeinsam praxisnahe KI-Anwendungen, testen sie in den Betrieben und reflektieren ihre Erkenntnisse in einem iterativen Prozess. Das Projekt findet in einem kollaborativen und praxisorientierten Lernsetting statt, das den Lernenden die Möglichkeit gibt, sich aktiv in die Gestaltung des Lernprozesses einzubringen. Die Lehrpersonen agieren als Lernbegleiter:innen und Lernorganisator:innen und unterstützen die Lernenden dabei, relevante KI-Einsatzgebiete zu finden und die Technologie praktisch zu nutzen. Das Lernsetting fördert offene Diskussionen, und die Methoden umfassen praktische Übungen, gemeinsame Projektarbeiten und Reflexionsphasen.
Lernende arbeiten in agilen Teams nach dem SAMR-Modell, um KI-gestützte Lösungen zu erproben und stärker in Arbeitsprozesse zu integrieren. Der Design-Thinking-Ansatz fördert Kreativität und iterative Problemlösung. Reflexionen erfolgen über ein Soundingboard, an dem alle Lernenden beteiligt sind, aber auch die Ausbildungsverantwortlichen von Lehrbetrieben. Die einzelnen Umsetzungs-, Reflexions- und Innovationsphasen müssen gut koordiniert werden, da nicht nur unterschiedliche Betriebe und Klassen am Projekt teilnehmen, sondern auch unterschiedliche Berufsgruppen und Abteilungen der BBW.
Lehrpersonen und Ausbildende agieren als Coaches, während Lernende KI als Werkzeug zur Unterstützung von Prozessen nutzen. Der klassen- und abteilungsübergreifende Austausch zwischen Maurer:innen und Berufen der Fahrzeugtechnik erweitert den Blickwinkel. Externe Lehrbetriebe werden über Teams-Calls eingebunden, um Praxiserfahrungen zu ergänzen. Handwerkliche Berufe, welche traditionell eine starke Beziehung zur Technik als Hilfsmittel besitzen, beginnen auch mit der KI-Technologie die Zusammenarbeit zu verstärken. Körperlich herausfordernde Berufen können von KI-Technologien durch Unterstützung in den Arbeitsprozessen, Kommunikation, Planung und Innovation sehr stark profitieren.
Wirkung
Das Projekt ist so konzipiert, dass es über verschiedene Branchen, Lehrbetriebe und Berufsfelder hin weg adaptiert werden kann. Die erarbeiteten KI-Anwendungen, Reflexionsmethoden und Austauschformate lassen sich leicht auf andere gewerblich-technische Berufe übertragen. Der praxisnahe und kollaborative Ansatz sorgt dafür, dass die Erkenntnisse langfristig in der Berufsbildung verankert werden. Die Einbindung abteilungsübergreifender Klassen und interessierter Lehrbetriebe trägt zur breiten Nutzung des Projekts bei. Der Austausch zwischen Maurer:innen und den Berufen der Fahrzeugtechnik zeigt exemplarisch, wie unterschiedliche Berufsfelder von KI profitieren können. Lehrbetriebe, die nicht direkt am Projekt teilnehmen, sind über Teams-Calls in den Austausch eingebunden und können die Erkenntnisse für ihre eigenen Ausbildungsprozesse nutzen.
SAMR-Modell
Das Projekt ist im SAMR-Modell dem Bereich Redefinition zuzuordnen, da durch den Einsatz von KI neue Lern- und Arbeitsformen entstehen, die ohne digitale Technologien nicht möglich wären.
Ergänzend wird die Akteur-Netzwerk-Theorie herangezogen: Berufliche Praxis wird als Zusammenspiel von Lernenden, Fachpersonen, handwerklichen Tätigkeiten und digitalen Technologien verstanden. KI wirkt dabei als Mit-Akteur, der hilft, komplexe Praxis zu strukturieren, zu vereinfachen und weiterzuentwickeln. Die Zusammenarbeit von Handwerk und digitaler Technik wird so zu einer reflektierten Auseinandersetzung mit neuen Technologien im beruflichen Alltag.