Über das Projekt
KI-Unterstützung bei der Vermittlung und dem Erwerb von Grundkompetenzen
Vielen Erwachsenen fehlen grundlegende Kompetenzen wie Lesen, Schreiben, Rechnen und Computerkenntnisse. Das Projekt untersucht, wie KI sinnvoll beim Erwerb von Grundkompetenzen eingesetzt werden kann, welche metakognitiven Fähigkeiten dafür nötig sind und wie KI als Lernwerkzeug oder Lernersatz im Alltag integriert werden kann.
Beschreibung
Nicht alle Personen verfügen im Erwachsenenalter über die erforderlichen Grundkompetenzen, um im Berufsalltag bestehen zu können. Diese Grundkompetenzen umfassen Lesen und Schreiben, Rechnen sowie grundlegende Computerkenntnisse. Der Personenkreis, der sich diese Kompetenzen im Erwachsenenalter aneignen will, ist sehr heterogen zusammengestellt. Entsprechend vielfältig sind die Lernziele und die individuellen Lernpfade, ebenso bestehen grosse Altersunterschiede. Die Vermittlung von Grundkompetenzen ist stark durch individuelle Lernziele geprägt und erfordert zahlreiche 1:1-Situationen zwischen Lehrperson und Lernenden. Zeitlich stösst die Lehrperson oft an Grenzen und kann nicht allen Bedürfnissen sofort gerecht werden.
Hier kann der Einsatz von KI viele Barrieren überwinden. Ein grosser Vorteil ist, dass viele KI-Lösungen als App auf dem Smartphone verfügbar sind und diese Geräte den Erwachsenen in der Regel zur Verfügung stehen. Damit wird die Nutzung via Spracheingabe möglich; die Anforderung, orthografisch korrekte Texte zu tippen, entfällt weitgehend. Ausserdem können dem KI-System Bilder gezeigt werden, ohne dass man alle Details treffend formulieren muss. Für Menschen mit Migrationshintergrund liegt ein weiterer Pluspunkt darin, dass die Muttersprache verwendet werden kann, wenn Deutschkenntnisse nicht ausreichen. Die Tools fungieren dabei als Dolmetscher oder Übersetzer. Mit diesem Ansatz wird maximale Individualisierung gewährleistet: Die Tools werden dort eingesetzt, wo sie aus Sicht der Lernenden sinnvoll sind.
Im Projekt soll geklärt werden, wie ein Konzept zur Nutzung von KI beim Erwerb von Grundkompetenzen ausgestaltet sein soll. Welche metakognitiven Kompetenzen müssen sich die Erwachsenen aneignen, um KI als Lernwerkzeug und als Lernersatz-Tool im Berufsalltag nutzen zu können? Wie können geeignete KI-Tools im Unterricht eingesetzt werden? Die damit verbundenen Erfahrungen und Erkenntnisse fliessen in das zu erstellende Konzept ein.
Didaktisch-methodisches Konzept
Die Lernziele werden zusammen mit den Erwachsenen individuell festgelegt. Einige Beispiele:
• Einen Brief oder eine E-Mail selbst verfassen
• Die eigenen Kinder bei den Hausaufgaben unterstützen
• Finanzielle und administrative Dinge eigenständig regeln
• Sicherer Umgang mit modernen Technologien (Smartphone, PC etc.)
• Eine berufliche Qualifikation nachholen oder verbessern
Die Teilnehmenden dieser Angebote sind oft auf Unterstützung angewiesen, um erste Schritte zu machen. Eine einfühlsame Ansprache und niedrigschwellige, praktische Ansätze sind entscheidend, um sie zu erreichen und dauerhaft zu motivieren. Eine Ergänzung der Unterstützung durch die Lehrperson mit KI-Tools kann die Erreichung der gesteckten Ziele erleichtern.
Im Mittelpunkt steht die Nutzung von KI-Tools zur Unterstützung beim Erwerb der oben genannten Kompetenzen. Die Kenntnis, welche Tools zur Lösung einer Aufgabe (Lernersatz) und welche Tools zur Unterstützung beim Lernen eingesetzt werden können, ist zentral für die Erreichung der individuellen Ziele und Lernpfade. Neben der Behebung von Lerndefiziten geht es auch darum, wie man mit bestehenden Defiziten umgehen kann. Die Nutzung von KI-Tools als Lernersatz bietet grosses Potenzial. Wie setze ich KI-Tools ein, um trotz Lerndefiziten meine Ziele zu erreichen? Im Zentrum stehen die Lernbedürfnisse der erwachsenen Teilnehmenden. Ausgehend von den individuellen Lernzielen schlägt die Lehrperson passende KI-Tools vor, die die Lernenden auf ihren eigenen Geräten (Smartphone, Tablet, Computer) installieren und nutzen können. Sie unterstützt bei Installation, Online-Registrierung und den ersten Schritten.
Wirkung
Im Zentrum stehen Personen, die Grundkompetenzen erwerben möchten, und deren Lehrpersonen. Darüber hinaus profitieren Berufsschulen mit Fachkundiger individueller Begleitung (FiB), Institutionen mit einem Grundkompetenzauftrag sowie Einrichtungen, die Lehrpersonen für die Vermittlung von Grundkompetenzen ausbilden.
Lebenslanges Lernen ist die beste Voraussetzung, um in der Berufswelt nicht den Anschluss zu verlieren. Durch den Erwerb von KI-Kompetenzen – sowohl als Lernwerkzeug als auch als Lernersatz – wird eine solide Grundlage geschaffen, sich in einer sich rasch verändernden Welt stetig weiterzuentwickeln und die Arbeitsmarktfähigkeit zu erhalten. Die im Projekt entwickelten KI-Unterrichtsszenarien und das erarbeitete Konzept dienen als Grundlage für den Einsatz in weiteren Berufsfeldern (z. B. EBA-Berufe, betriebliche Bildung INSOS, Praktische Ausbildung Schweiz) und für die Weiterbildung von Mitarbeitenden in Lernstuben. Auch auf anderen Bildungsstufen, die auf individualisierte Lernwege setzen, lassen sich diese Szenarien übertragen.
SAMR-Modell
Im SAMR-Modell kann dieses Projekt im Bereich "Redefinition" eingereiht werden, da die KI-Unterstützung neuartige Aufgabenformate ermöglicht, welche analog so nicht möglich sind.