Über das Projekt
Prezenz – Fokussiert lernen im BYOD-Unterricht
Prezenz reduziert digitale Ablenkung im BYOD-Unterricht: Während Fokusphasen werden ablenkende Apps und Websites blockiert, benötigte Lernwerkzeuge bleiben verfügbar. Das Projekt untersucht, wie sich die Software didaktisch sinnvoll und wirksam in den Unterricht integrieren lässt.
Beschreibung
Im BYOD-Unterricht ist das persönliche Gerät zugleich wichtiges Lernwerkzeug und permanente Ablenkungsquelle. Eine Beobachtungsstudie zeigte, dass Studierende während Lehrveranstaltungen rund 42 % der Zeit Anwendungen nutzten, die nicht zum Unterricht gehörten. Gemäss PISA 2022 weisen häufig digital abgelenkte Schülerinnen und Schüler im Durchschnitt einen Leistungsrückstand auf, der ungefähr drei Viertel eines Schuljahres entspricht. Unsere eigenen Umfragen unter 165 Lehrpersonen bestätigen den Handlungsbedarf: 73 % erleben spürbare digitale Ablenkung, 86 % sehen dadurch die Lernqualität beeinträchtigt. Mangels praktikabler Alternativen greifen viele Schulen auf Papier oder Geräteverbote zurück.[1]
Prezenz setzt genau hier an: Die datenschutzfreundliche Fokus-Software blockiert während definierter Unterrichtsphasen ablenkende Apps und Websites auf den Geräten der Lernenden. Die für den Unterricht benötigten Werkzeuge bleiben verfügbar. Dabei verzichtet Prezenz auf Bildschirmüberwachung, Geräteverwaltung und die Aufzeichnung des Nutzungsverhaltens.
Didaktisch-methodisches Konzept
Die Lehrperson legt passend zur jeweiligen Unterrichtsphase fest, welche digitalen Werkzeuge verfügbar sein sollen – beispielsweise für Plenum, stille Einzelarbeit, Recherche oder eine KI-Phase. Diese Einstellungen werden in Prezenz als Fokus-Profile gespeichert; Fokus-Sessions können zudem automatisch gemäss Stundenplan gestartet werden.
Ziel ist nicht ein generelles Geräteverbot, sondern ein bewusster Umgang mit digitalen Freiheitsgraden: Ablenkungen werden dort reduziert, wo konzentriertes Arbeiten gefragt ist, während digitale Werkzeuge dort verfügbar bleiben, wo sie didaktisch sinnvoll sind. Die Lehrperson behält dabei die didaktische Hoheit. Prezenz arbeitet nach dem Prinzip Privacy by Design; Bildschirm- und Verhaltensdaten werden weder überwacht noch aufgezeichnet.
Wirkung
Prezenz ist fachunabhängig in BYOD-Klassen der Sekundarstufe II einsetzbar und in wenigen Minuten eingerichtet. Eine einsatzfähige Schüler-App für Windows und iPad, ein webbasiertes Teacher-Dashboard sowie eine Browser-Erweiterung liegen bereits vor. Mit dem Solo-Modus können Lernende Prezenz zudem selbstständig für konzentriertes Arbeiten ausserhalb des Unterrichts nutzen.
Im Rahmen des Innovationsfondsprojekts wird Prezenz an mehreren Zürcher Mittelschulen pilotiert, didaktisch eingebettet und evaluiert. Die gewonnenen Erfahrungen fliessen direkt in die Weiterentwicklung, technische Robustheit und die Entwicklung praxistauglicher Einsatzkonzepte für Schulen ein.
Website: https://prezenz.app/
[1] Quellen: Kraushaar, J. M. & Novak, D. C. (2010): Examining the Affects of Student Multitasking with Laptops during the Lecture, Journal of Information Systems Education, 21(2), 241-251; OECD: PISA 2022 Results. Weitere Quellen und Einordnung: https://prezenz.app/problem
